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2026-07-27

Warum Architekturvorgaben in den Prompt gehören, nicht ins Wiki

Die meisten Architekturvorgaben leben in einem Dokument. Es wird beim Onboarding gelesen, dann seltener, irgendwann nicht mehr — und die Abweichung fällt im Review auf, wenn der Code schon steht. Bei Anvil Coder läuft das umgekehrt: eine Vorgabe kann Teil des Prompts sein, nicht nur des Wikis.

Ein Förderband mit glühenden Barren läuft durch fünf leuchtende Prüf-Tore — jeder Arbeitsschritt passiert dieselben Leitplanken

Prüfen am Ende kommt zu spät

Der übliche Weg ist: erst generieren, dann prüfen — ein Linter, ein Scanner, ein Review, und was durchfällt, wird nachgebessert. Für eine einzelne Datei funktioniert das. Für ein Projekt, das aus hunderten parallelen Arbeitsschritten entsteht, nicht mehr: Ein struktureller Fehler, der in Schritt 12 entsteht, hat sich bis Schritt 200 fortgepflanzt. Ihn dort zu finden ist kein Nachbessern mehr, sondern Umbauen — und der Kontext, in dem er entstand, ist längst weg. Guardrails drehen die Reihenfolge um: die Vorgabe steht vor dem Schritt, nicht nach ihm.

Was standardmässig mitkommt

Als System-Prompt injiziert werden fünf mitgelieferte Invarianten — OWASP Top 10, SOLID, KISS, DRY, Clean Code. Sie stehen nicht in einer Dokumentation, die ein Modell gelesen haben könnte, sondern in jedem einzelnen Prompt, bei jedem Arbeitsschritt neu.

Eigene Vorgaben werden zu Guardrails

Genau hier liegt der Unterschied zu einem Architekturdokument: eine Regel, die nur für ein bestimmtes Team gilt — eine bestimmte Schichtung, ein Namensschema, ein Verbot bestimmter Bibliotheken — lässt sich als eigene Guardrail hinterlegen und wird genauso injiziert wie die mitgelieferten. Ein Unterschied bleibt: als blosse Prosa wirkt eine eigene Regel im Prompt, aber nicht in einer zusätzlichen maschinellen Validierung — dafür muss sie als maschinenlesbare Regel hinterlegt sein. Im laufenden Betrieb sammelt das System zusätzlich Vorschläge für neue Guardrails aus dem eigenen Verlauf; angewandt wird davon nichts automatisch, der einzige Weg in den Katalog führt über eine menschliche Freigabe.

Wo die Bedingung endet

Ein Review ersetzt das nicht. Ein Schritt, der gegen dieselben Invarianten entsteht, wird konsistent — nicht zwangsläufig richtig. Ob die Anforderung selbst stimmt, ob der fachliche Zuschnitt trägt: das bleibt eine menschliche Entscheidung, und genau dafür ist die Vorgabe im Prompt kein Ersatz, sondern eine Vorstufe. Sie verschiebt, wo ein Fehler auffällt — vom Ende der Kette an ihren Anfang.